Geschäftstelle: Berliner Allee 37d, 15345 Altlandsberg Telefon.: 0178 3042583, Fax: 03212 / 5577108 E-Mail: geschaeftsstelle(at)bsbd-brb.de Corona Impfungen für Bedienstete des Justizvollzuges immens wichtig (Justizvollzug 25.11.2020)  Unterschiedliche Strategien und Vorgehensweisen zur Prävention und Bekämpfung der Pandemie  sorgen für Unverständnis und Unruhe unter den Gefangenen und ebenso bei den Bediensteten in  den deutschen Justizvollzugsanstalten. Eine klare Zusage der Bundes- und Landesregierungen zur  Aufnahme der Bediensteten in die Impfstrategien blieb bislang aus. Verwunderlich: eine Pandemie  in Justizvollzugsanstalten wirkt sich gleich mehrfach negativ aus. Es ist dringend notwendig das  Personal in die Impfstrategien mit einzubeziehen. Das öffentliche Gesundheitssystem wird durch  schwere Infektionsfälle aus den Justizvollzugsanstalten zusätzlich belastet, die Sicherheit der  Bevölkerung wird durch Unruhen in Vollzugsanstalten gefährdet und Mitarbeiter sind unzureichend  geschützt, da Mindestabstände durch den stetigen Kontakt mit Insassen nicht gewährleistet werden.  Ein Virus wie COVID-19 verbreitet sich in einer Vollzugsanstalt ähnlich schnell wie in Pflegeheimen  und anderen Einrichtungen zur Unterbringung von Menschen.  Verschiedene Professionen im Vollzug wie Krankenpflege, Fachdienste und der allgemeine  Vollzugsdienst können Abstände zu Gefangenen in Hafteinrichtungen nicht einhalten und  gewährleisten. Sie müssen ungelüftete Hafträume betreten und bei Gefahr in Verzug auch die  eigene Gesundheit und das Leben riskieren, um die Sicherheit und Ordnung in der Anstalt aufrecht  zu erhalten. Vor allem der Umgang mit infektiösen renitenten Gefangenen verlangt den Bediensteten  einiges ab. Zudem befinden sich in den Haftanstalten häufig Gefangene mit Vorerkrankungen und  geschwächtem Immunsystemen, die schnell zu schweren Pandemiefällen werden und das  öffentliche Gesundheitssystem belasten, denn eine Unterbringung schwerer Pflegefälle erfolgt  üblicherweise in einem Krankenhaus. Die Vollzugskrankenhäuser und Stationen bieten selten die  Logistik einer Intensivstation. Die Angst unter den Insassen vor Ansteckung wächst. Auch das  Personal ist verunsichert, eine Reduzierung des Personals durch notwendige häusliche  Quarantänemaßnahmen gefährdet die Sicherheit und Ordnung einer Haftanstalt massiv und hat  somit auch Auswirkungen auf die Sicherheit der Bevölkerung.  Während der Justizvollzug in Zeiten der ersten COVID-19-Welle nur wenige Infektionen  verzeichnete, nimmt die Zahl in der zweiten Welle deutlich zu. Nicht nur Gefangene, sondern auch  Mitarbeiter infizieren sich vermehrt mit dem tückischen Virus. Wer bei einem größeren  Infektionsausbruch unter den Mitarbeitern die Versorgung und Betreuung der Gefangenen  übernehmen soll, wird zunehmend durch die Insassen hinterfragt. Gleiches gilt für den Fall schwerer  Infektionsverläufe, denn das in wenigen Anstalten vorhandene Krankenpflegepersonal ist auf  schwere Verläufe nicht vorbereitet.  Auf den eigens für Quarantänefälle vorbereiteten Stationen und  Hafträumen kommen vielfach Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes ohne medizinische  Vorbildung zum Einsatz. Vielfach sind die Vollzugsanstalten überfüllt. Zu viele Häftlinge werden auf  engstem Raum von zu wenigen Mitarbeitern versorgt. Die Angst vor einer Ausbreitung der Infektion  in den Anstalten wächst. Bereits ein Infektions- oder Verdachtsfall löst eine umfangreiche  Quarantäne unter den Gefangenen und Mitarbeitern aus. Während Gefangene in Isolation  verbleiben, müssen sich die Mitarbeiter in häusliche Quarantäne begeben. Nicht selten sind  aufgrund der räumlichen Nähe Bedienstete im zweistelligen Bereich unter Quarantäne zu stellen  und fehlen somit, um den Dienstbetrieb sicher zu stellen. Die Ausrüstung mit FFP2-Masken und  präventive flächendeckende Testungen fehlen vielerorts.  Eine Impfung der Mitarbeiter stärkt die Sicherheit der Bevölkerung und vermindert die von  Haftanstalten ausgehenden Risiken in einer Pandemie.  Bundesvorsitzender René Müller
Besucher seit 01.04.2001