Geschäftstelle: Grüne Aue 19a, 14776 Brandenburg an der Havel Tel. und Fax: 03381 / 660324 Geschäftsstelle: bsbdbrb@t-online.de Ein Blick über die Berge in den Schweizer Strafvollzug in Saxerriet Vom 16.01. bis 18.01.2017 nahmen zwei Bedienstete der JVA Neuruppin-Wulkow an der  vom BSBD organisierten Fortbildung zum Thema „Europa wächst zusammen –  Themenland Schweiz“ teil. Die Fortbildung fand mit Blick auf das malerische Panorama der Insel Reichenau statt. Vom  Seminarraum aus konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen den Bodensee und die  schneebedeckten Hänge der gegenüberliegenden schweizerischen Uferseite sehen. Neben der  inhaltlichen Weiterbildung zu den Aufgaben der Gewerkschaft im europäischen Kontext wurde  das Themenland Schweiz mit seinem Strafvollzug den Teilnehmern und Teilnehmerinnen näher  gebracht. In den Pausen und in der Freizeit fand zwischen den Vollzugsbediensteten der  unterschiedlichen Bundesländer ein reger Erfahrungsaustausch statt. Viele Aha-Erlebnisse  ermunterten uns, dass die anderen Kollegen und Kolleginnen mit gleichen Schwierigkeiten  konfrontiert sind und insbesondere das Mitwirken in der Gewerkschaft und den örtlichen  Personalräten ein wichtiger Beitrag zur Steuerung der Arbeitszufriedenheit und der Teilhabe in  Justizvollzugsanstalten darstellt.  Höhepunkt war am zweiten Seminartag die Besichtigung der Kantonalen Strafanstalt Saxerriet  im schweizerischen Salez. Nach einer gut 2-stündigen Busfahrt erreichte die Seminargruppe die  zwischen schneebedeckten Bergen liegende Strafanstalt. Sofort wurden die ersten Fotos  gemacht bis jemand aus der Seminargruppe nachfragte, ob dies überhaupt gestattet sei.  Beruhigend meinte ein schweizer Bediensteter, dass dies in Ordnung sei solange keine  Inhaftierten auf den Fotos zu erkennen sind.  Den Teilnehmern und Teilnehmerinnen fielen nach den ersten Blicken sofort die fehlenden  Sicherungsanlagen auf. Nirgends waren Zäune oder ähnliche Sicherungsanlagen zu erkennen.  Es erstreckte sich vor den Augen der Mitgereisten eine weitläufige Anlage mit  landwirtschaftlichen Produktions- und Arbeitsstätten sowie Industriewerkhallen. Es schien so als  beträte man ein Dorf, in dessen Mitte ein architektonisch moderner Gebäudekomplex steht, der  eher wie ein Hightec-Firmensitz wirkte und keine Ähnlichkeit zu einem Gefängnis erkennen ließ.  Das Konzept schien allen sofort klar zu werden. Offener Vollzug heißt offen, weil es auch der  Bau ausdrückt. Keine Begrenzungen oder Absperrungen waren vorhanden. Arbeit und  Arbeitsqualifizierung bildeten das Fundament der Resozialisierung. Wer eine Arbeit vor der  Inhaftierung hat, konnte sogar in entsprechenden Außenwohngruppen, bei vorliegender Eignung,  seiner Berufstätigkeit in der sogenannten Halbgefangenschaft nachgehen. Lediglich ein kleiner  Bereich des Übergangsmanagement hatte eine höhere Sicherheitsstufe, die durch den  Verschluss der Außentüren gegeben war. Innerhalb des Gebäudes konnten sich auch hier die  Gefangenen frei bewegen.  Der Anstaltsleiter, Herr Martin Vinzens, kommunizierte die Maxime seiner Strafanstalt in seinem  späteren Vortrag vor den Teilnehmern und Teilnehmerinnen, in dem er verdeutlichte, dass bereits  in der baulichen Struktur der Gedanke verdeutlich werden sollte was Wiedereingliederung heißt.  Der Anstaltsleiter nahm sich sehr viel Zeit, um den Schweizer Vollzug den deutschen Kollegen  und Kolleginnen näher zu bringen. Beim späteren Mittagessen beantwortete er geduldig alle  offenen Fragen.  Beim Rundgang durch die Anstalt konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die  verschiedenen Arbeitsbereiche besichtigen, die durchgehend auf die Wiedereingliederung auf  den ersten Arbeitsmarkt ausgerichtet waren. Die Auftraggeber waren ortsansässige und  überregionale Firmen (u.a. Hilti). Die Arbeitsanleiter und Arbeitsanleiterinnen hatten alle  umfangreiche berufliche Qualifikationen und waren zusätzlich für den Einsatz im Strafvollzug  ausgebildet worden.  Auf der Rückfahrt und beim anschließenden gemütlichen Beisammensein im Kaminzimmer  wurden die Erlebnisse ausgiebig diskutiert. Sicherlich schauten die Teilnehmer und  Teilnehmerinnen neidisch auf die Schweizer Möglichkeiten, jedoch waren sich die deutschen  Bediensteten auch einig, dass sie in ihren Heimatanstalten einige Ansatzpunkte haben, um das  Schweizer Erfolgsmodell wenigstens in Teilen umsetzen zu können.  Mit diesen Inspirationen konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Heimreise antreten  und ihre Ideen in ihre tägliche Arbeit einfließen zu lassen. Denn häufig beginnt eine Veränderung  erst im Kleinen und wird letztlich durch die Menschen gestaltet, die sie mit Leben erfüllen.  M.Melzer, OV Neuruppin-Wulkow  Fotos: BSBD Brandenburg 
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