Geschäftstelle: Grüne Aue 19a, 14776 Brandenburg an der Havel Tel. und Fax: 03381 / 660324 Geschäftsstelle: bsbdbrb@t-online.de Märkische Allgemeine MAZ-online Brandenburg       Dienstag, 25. April 2017 – Justizvollzug hat große Nachwuchsprobleme Die Brandenburger Justiz steht vor einem Nachwuchsproblem. Sie will Justizbeamte für den Dienst in den Gefängnissen des Landes ausbilden, im nächsten Jahr sogar doppelt so viele wie sonst üblich. Doch geeignete Bewerber stehen nicht gerade Schlange. Und 90 Prozent scheitern im Verlauf des Auswahlverfahrens. Zur Ausbildung gehört auch die fachgerechte Durchsuchung eines Haftraums. Quelle: JACQUELINE STEINER Brandenburg/H. Brandenburgs Justiz steht vor einem Nachwuchsproblem. Sie will  Beamtenanwärter ausbilden für den Dienst in den Gefängnissen des Landes, im nächsten Jahr  sogar doppelt so viele wie sonst üblich. Doch geeignete Bewerber stehen nicht gerade Schlange.  Und 90 Prozent scheitern im Verlauf des Auswahlverfahrens.  Seit Montag halten etwa 40 Leiter von Justizvollzugsschulen und Bildungsstätten in Deutschland,  Österreich und der Schweiz drei Tage lang ihre Jahrestagung in der Dienstleistungsabteilung der  JVA Brandenburg ab, diskutieren speziell die Praxisausbildung im allgemeinen Vollzugsdienst.  Von 20 Plätzen sind nur zwölf besetzt Doch ehe es an die praktische Ausbildung gehen kann, benötigt die Justiz erst einmal geeignete  Beamtenanwärter. Justizstaatssekretär Ronald Pienkny (Linke) sprach in seinem Grußwort von  einer großen Herausforderung, weil in naher Zukunft viele Vollzugsbeamte in den Ruhestand  gehen werden.  20 junge Leute zwischen 21 und etwa 37 Jahren will die Brandenburger Justiz in diesem Jahr für  die Arbeit im Strafvollzug des Landes gewinnen, doch von diesen 20 Plätzen sind bisher nur zwölf  besetzt. Im nächsten Jahr sollen sogar 40 junge Leute fit gemacht werden für den Umgang mit  Strafgefangenen.  Bewerberschwund ist groß Klaudius Leinkauf ist derzeit Gastgeber der Experten aus den drei deutschsprachigen Ländern  und ein erfahrener Mann auf dem Gebiet der Nachwuchsgewinnung. Doch auch er stößt mit  seiner Kommission inzwischen auf Schwierigkeiten, junge Leute zu finden, die sich für den Beruf  interessieren und den Anforderungen gerecht werden. Er plant mit vier Auswahlverfahren in  diesem Jahr.  Service Ausbildungsplatz gesucht? azubify® - das Portal für Berufsstarter   Starte deine Zukunft und finde den Beruf der zu dir passt.  www.azubify.de/brandenburg  Der Bewerberschwund ist beachtlich. Von den 235 eingeladenen Ausbildungsbewerbern im  Januar ist nur die Hälfte überhaupt erschienen. Von den 126 Anwesenden blieben nach dem  Sporttest 88 übrig. Weitere 33 scheiterten an dem folgenden computerbasierten  Konzentrationstest, einer kam nicht einmal über die Testanleitung hinaus.  „Aufsätze der Bewerber sind oft eine mittlere Katastrophe“ Von den verbliebenen 55 Bewerbern schafften 32 den Schulleistungs- und den Intelligenztest. Ein  Intelligenzquotient von 95 ist gefordert, mitunter werden auch ansonsten gute Bewerber mit einen  92-er IQ noch akzeptiert. „Die Aufsätze der Bewerber sind oft eine mittlere Katastrophe“, berichtet  Leinkauf.  Den zweiten Auswahltag mit Interviews und psychologischen Tests bestanden nur noch 13 der 32  Kandidaten, einer davon sprang noch ab, so dass die Brandenburger Justiz erst ein Fünftel ihrer  bis 2018 angestrebten 60 Beamtenanwärter gefunden hat.  Es fehlt an überzeugender Werbung Leinkauf sieht ein großes Manko darin, dass die Justiz es bisher nicht geschafft hat, überzeugend  für sich zu werben und einen aussagekräftigen Internetauftritt hinzubekommen. Wir müssen die  Jugend anders ansprechen“, fordert er. Es fehle ein Leitbild, ein klares Berufsbild des  Justizvollzuges.  Vielleicht folgen die Brandenburger irgendwann der Schweiz, wo es 114 meist kleine Gefängnisse  mit 7000 Häftlingen (72 Prozent Ausländer, 14 Prozent in Deutschland) gibt, sucht sich jedes  Gefängnis seinen eigenen Nachwuchs. In der Alpenrepublik sind die Mitarbeiter im Vollzug keine  Beamten. Die 15-wöchige Grundausbildung geschieht berufsbegleitend im zentralen  Ausbildungszentrum in Freiburg.  Von Jürgen Lauterbach Quelle: MAZ-online
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